03.05.2022 (Dienstag)
Gegen 8 Uhr – oder etwas später – stehen wir auf. Es ist ungemütlich feucht draußen, es nieselt. Wir räumen den Innenraum so um, dass wir drinnen sitzen und am extra eingebauten Klapptisch essen können. Es gibt Tee für Clara, Espresso für mich, Müsli und Apfelschnitze für uns beide.
Müsli-Frühstück im Innern
Heute wollen wir einen besonderen Ausflug machen:
Eine Wanderung zu einem Wasserfall, der von einem See direkt ins Meer fällt, und zu den beide – See und Meer – trennenden Steilklippen. Imposante Eindrücke sollen garantiert sein, sagt der Reiseführer.
Da es in der Nacht aber zu regnen begonnen hatte und es auch nach dem Frühstück noch immer nieselt bis sprüh-regnet, bin ich etwas besorgt, ob die Eindrücke so toll sein werden. Doch als wir dann den Einstiegspunkt erreicht haben ist der Regen vorbei, die Nebelschwaden sind fast verzogen und es herrscht gute Sicht. Zwar kein Sonnenschein, aber wirklich gute Sicht.
Der Weg kostet Gebühr (der Landbesitzer kassiert 200 DKK pro Person, ca. 28 Euro). Aber hey, ich hab Urlaub und will uns nicht wegen Knausrigkeit dieses Erlebnis versagen. Also: Tickets gekauft und los geht’s. Es ist ca. 11:30 Uhr und diese beiden „Türsteher“ lassen uns ohne Weiteres passieren.
Über ca. 30 Minuten führt der Weg in einer Moos-Gras-Landschaft an einem Hang oberhalb des Sees (Sørvagsvatn / Leitisvatn) vorbei und kommt schließlich an eine Stelle, von der man einen ersten tollen Blick von den Klippen hat. Dort teilt sich der Weg auf und in jede der Richtungen erwarten uns sagenhafte Ausblicke.
Die Klippen am Ende des Leitisvatn (1)
Steile Klippen, hunderte Meter hoch, an denen Vögel brüten. Tosendes Meer unten in der Tiefe, und über allem ein pfeifender Wind. Der See führt relativ wenig Wasser (die Trockenheit!), weshalb wohl auch der Wasserfall Bøsdalafossur ins Meer nicht so ein satter Wasserschwall ist, sondern mehr ein moderater Fall.
Das Besondere ist aber, dass der See über dem Meer zu schweben scheint und sich an dieser Stelle ins Meer ergießt, eingerahmt von wirklich imposanten Klippen.
Die Klippen am Ende des Leitisvatn (2)
Da der See und auch der Wasserfall wirklich erstaunlich wenig Wasser führen, wagen wir es hinunter zu der Stelle, an der das Wasser sich hinunter stürzt. Es ist ein zwar glitschig, aber mit ein wenig Umsicht und geübtem Stonestepping kommt man mit trockenen Sohlen (und Socken) ohne Gefahr bis ganz vorne hin. Ein Gemisch aus Gischt und Nieselregen setzt sich immer wieder auf die Foto-Linse.
Nachdem wir ein kleines Vesper verzehrt haben, sowie eine ganze Weile über Steine und Wasserläufe gestiegen sind um möglichst nah an die Kante des Wasserfalls heran zu kommen, begeben wir uns gegen 14:20 Uhr wieder auf den Weg zurück. Es beginnt nun auch stärker zu regnen, wir hatten bisher Glück.
Zurück beim Auto treten wir die Fahrt in Richtung der Hauptinsel Streymoy an, wollen aber vorher noch das Kriegsmuseum besuchen, das sich (wie auch ein Supermarkt) in „direkter Nachbarschaft“ des Flughafens vor Sørvágur befinden soll. Ich hatte den Gedanken, wir könnten uns dort trocknen, bei einem warmen Getränk wärmen und stärken und so den Tag abschließen und evtl. sogar nochmal am gleichen Platz zu nächtigen.
Doch das besagte Museum stellt sich (für uns) als ebenso unauffindbar heraus, wie ein offenes Café. Vielleicht liegt’s am trüben Wetter (Später zuhause die Erkenntnis: Es war der grau-grüne, unscheinbare und unbeschilderte Bau gegenüber der Einfahrt zum Flughafengelände). Deshalb beschließen wir schließlich, durch den Unterseetunnel zurück auf die Hauptinsel Streymoy zu fahren, dort auf die Küstenstraße 21 nach Vestmanna abzubiegen, wo es sicher ein Café geben würde und wo es einen gut ausgestatteten Campingplatz geben soll. Ein kurzer Anruf dort klärt, dass wir kommen können.
Erneut ist es in einem angeblich „betriebsamen Ort“ nicht einfach, ein offenes Café zu finden. Kurz nach einem Versuch bei einem beleuchteten, aber dennoch geschlossenen Café, sehe ich aus dem linken Augenwinkel ein „Café Elva“ eine Straße höher am Hang. Dort angeklopft, meinte ich eher in einem Privat-Haushalt zu stehen, als in einem Café. Doch eine freundliche Frau bittet uns herein und so können wir Kakao, Kaffee und Napoléons genießen sowie das WLAN nutzen, um ein paar Dinge wegen der Sache mit der PIN für die Kreditkarte zu klären. Mit vorläufigem Erfolg, dank der Nachbarin zuhause. Bei Elva’s Café handelt es sich übrigens um ein Töpferei- & Malerei-Café, man kann dort getöpferte Rohlinge aller Art erwerben und dann selbst anmalen. Eltern mit Kindern nutzen es offenbar gern.
Zum Abschluss des Tages werden wir dann auch auf dem Camping-Platz am Ort sehr freundlich willkommen geheißen. Alle Formalitäten sind rasch erledigt, das Auto geparkt, Strom gezapft, fertig.
Zwar ist das Tor zunächst geschlossen, aber ein Anruf klärt, dass wir das Tor einfach öffnen und rein fahren können. Der ebenfalls davor stehende Hagener VW Bus (in der Nacht zuvor am selben Campingplatz wie wir) ist gerade schon im Begriff, angesichts des geschlossenen Tores wieder weg zu fahren. Aber nun fahren wir beide rein, suchen uns einen Platz und erkunden die Gegebenheiten. Alles top, ein schöner Gemeinschaftsraum, Küchen, Duschen und sehr sauber. Strom (am Fahrzeug) können wir auch nutzen, alles inklusive für 200 Kronen.
Zum Abendessen gab es bei uns Spirelli-Nudeln mit einer Soße aus gebratenen Kirschtomaten, Zucchini, Knoblauch und Schafskäse. Zum Nachtisch noch Kuchen von Zuhause (der muss langsam weg).
Nach dem Abendessen ergeben sich noch lange und angeregte Unterhaltungen auf Deutsch und Englisch, auch mit den anwesenden Franzosen. Und endlich klappt es auch mit dem ersten Eintrag auf diesem Reise-Blog, auch wenn das zunächst noch nicht so aussieht wie ich mir das vorstelle.
Der erste Versuch die Tunneldurchfahrt online per Kreditkarte zu bezahlen schlägt ebenfalls fehl. Ohne konkrete Angabe des Grundes. Spannend. Man hat sechs Tage Zeit, die Zahlung zu tätigen, ab dann kostet es einen „erhöhten Betrag“, der aber nicht näher spezifiziert wird.
Km-Stand: 203.652 (62 km gefahren)