10.06.2024 (Montag)
Der Tag startet sonnig und deshalb müssen wir um 8 Uhr auch raus aus dem warmen Auto. Beim Kaffee kochen gibt’s dann aber eine Panne, die mir erstmal ein paar deftige Flüche entlockt. Ich verbrenne mir die Finger an der Espresso-Kanne als ich sie vom Kocher nehme, lasse sie daher zu früh los und verschütte somit den Kaffee über die halbe Küchenschublade. Natürlich läuft die braune Flüssigkeit überall hin, wo man sie nur schwer wieder raus kriegt. Ich bin die nächsten Minuten fluchend mit putzen und neuem Kaffee kochen beschäftigt.
Clara, die solche Ausbrüche schweigend vorüberziehen lässt, sitzt während der ganzen Zeit auf dem Beifahrersitz und wartet bis mein Ärger verflogen und das Frühstück fertig ist. Als wir uns zum Frühstück setzen, hält sie mir lächelnd einen frisch gehäkelten Topflappen hin 🙂
Ist das nicht göttlich? Während ich damit beschäftigt war meinen Ärger zu verdauen und einen zweiten Kaffee-Anlauf zu wagen, setzt sich das Kind hin und kümmert sich schweigend um eine vorbeugende Lösung um künftig solche Pannen zu vermeiden. – Clara, du bist die Beste ! 🙂
Nach dem Frühstück ergibt sich ein kurzes Gespräch mit unseren deutschen Camper-Nachbarn über unser weiterhin bestehendes Problem mit der „Motorcheck“-Leuchte. Sie wünschen uns gute Fahrt und wahrscheinlich werden wir uns auf der Fähre wiedersehen, da sie am gleichen Tag abreisen werden wie wir.
Beim Start des Motors meldet sich die „Motorcheck“-Leuchte wieder. Wir steuern davon unbeeindruckt den (gebührenfreien) Parkplatz P3 an und gegen 10:30 Uhr setzen wir unsere Füße ins Þingvellir-Gebiet, der ersten Station des sogenannten Golden Circle, der touristischen Hauptroute Islands.
Das Þingvellir-Gebiet ist der Ort, auf dessen Feldern (vellir) ab dem Jahr 930 die „Volksversammlung“ (Þing) zusammenkam. Hier wurden alljährlich die zu regelnden Fragen geklärt, Streitigkeiten ausgetragen oder geschlichtet, Gesetze verkündet und Gericht gehalten sowie Urteile (auch Todes-Urteile) vollstreckt. Zum 1000-jährigen Jubiläum wurde das Gebiet 1930 zum Nationalpark erklärt.
Wir wandern in der Almannagjá-Schlucht (Allmännerschlucht) wie alle anderen Besucher in Richtung des Wasserfalls, dem Öxarárfoss, dann weiter zur Aussichtsplattform am Ende der Schlucht und dem Shop im dort erbauten zweiten Info-Zentrum. Es ist durchaus einiges los dort und die großen Busse haben bereits die ersten Touristen-Ladungen angeliefert, die nun durch den Shop fluten und sich an den Tischen im Freien einen teuren Kaffee in der Sonne schmecken lassen.
Wir setzen nach kurzem Verweilen unseren Weg hinunter zum See Þingvallavatn und zur Silfra-Spalte fort. Letztere haben wir vor zwei Jahren ausgelassen, jetzt sind wir vom dort herrschenden Taucher-Rummel überrascht. Mehr als zehn (!) Transporter vom Format Mercedes-Sprinter diverser Tauchtouren-Veranstalter stehen hier bereit mit Tauchanzügen, Flossen und Sauerstoffflaschen, um die Gruppen von Tauch- und Schnorchel-Anwärter (immer sechs Touristen plus Guide) durch die Spalte zu geleiten.
Etwas unterhalb des Tauch-Aspiranten-Parkplatzes setzen wir uns an eine Picknick-Bank und schauen dem Treiben auf dem Parkplatz zu. Es ist schon irre, welche Massenabfertigung man an solch einem Natur-Kleinod wie dieser Spalte machen kann. Und wieviele Menschen offenbar bereit sind ordentlich Geld dafür auszugeben.
Wir knabbern eine Packung Kekse weg, während ein Vogel immer wieder schaut, ob er vielleicht ein paar Krümel abkriegen kann. Ohne selbst zu tauchen machen wir uns nach einiger Zeit auf den Weg zurück zum kleinen Kirchlein und Rats- bzw. Gesetzessprecher-Platz und danach auf etwas abseitiger Route wieder hinauf zum Parkplatz P3.
Um dem Rummel etwas zu entfliehen, fahren wir ein Stück in Richtung der Straße 550 zurück und machen an einem kleinen Parkplatz an der Straße Nr. 52 (von wo wir am Vortag kamen und wo kaum Verkehr war) unsere Kaffeepause. Während wir da so sitzen kommen noch ein, zwei andere Autos an. Deren Insassen steigen, einem schmalen Pfad folgend, über eine kleine Erhebung in die nordöstliche Verlängerung der Almannagjá-Schlucht, die sich direkt hinter unserem Rücken an diesem Rastplatz entlang zieht. Auch wir machen uns nach dem Kaffee-Genuß dorthin auf den Weg. Es ist schön ruhig da, keine Menschenmassen, keine ausgebauten Wege für Touristenmassen.
Es ist erst etwa 16 Uhr, daher fahren wir über die Straßen Nr. 36, 365, 37 und dann 35 noch zu den Geysiren im Haukadalur und zum Gullfoss. Dort waren wir zwar vor zwei Jahren bereits, aber was soll’s. Jetzt sind wir hier und das Wetter ist toll. 🙂
Unterwegs würde ich gerne tanken, doch die erste Tankstelle (N1) steht voller Autos und nichts geht voran. Nunja, dann fahren wir eben weiter. Kurze Zeit später biegen wir spontan von der Straße Nr. 365 nach links auf eine staubige Schotterpiste (Straße Nr. 367) ab, da uns ein Schild mit der Aufschrift „Laugarvatnshellir“ zu einer Sehenswürdigkeit der besonderen Art lockt.
Es handelt sich um eine ehemals (noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts) über Jahre von Menschen samt Kindern bewohnte Höhle. Wir sind erstaunt, dass uns in diesem staubigen Nichts ein junger Mann freudig erwartet, um uns (und zwei jungen Frauen die fast zeitgleich ankamen) die Geschichte dieser Höhle und der Menschen die hier gelebt haben gegen Entgelt im Rahmen einer kleinen halbstündigen Führung näher zu bringen.
Nach dieser kurzen aber interessanten Unterbrechung fahren wir über die Staubpiste wieder zurück zur Straße Nr. 365 und dann weiter in Richtung Haukadalur zu den Geysiren, immerzu begleitet von der weiterhin dauerhaft leuchtenden „Motorcheck“-Leuchte im Armaturenbrett.
Beim Geysir Visitor-Center gibt es auch eine Tankstelle. Auch diesmal eine N1, allerdings mit nur einer Zapfsäule des älteren Systems, das keine Kreditkarten akzeptiert, sondern nur mit Prepaid-Karten funktioniert. Diese können im Shop des Geysir Visitor-Centers erworben werden. Ich stehe eine gefühlte Ewigkeit an der einzigen besetzten Kasse, an der zwei Damen den Betrieb mit 1000 Fragen zu dem Plunder den sie kaufen wollen, blockieren. Als ich endlich dran bin, teilt mir der freundliche Verkäufer mit, dass ich an die andere Kasse im anderen Gebäudeteil gehen müsse. Grrrrr.
OK, das geht jetzt aber wirklich schnell. Dann sofort tanken. Aber nicht voll, da es nur Karten zu 10.000 ISK (rund 84 Euro) gab, was bei 324,1 ISK/Liter für 30,85 Liter reicht. Aber gut. Nachdem das Wichtige und Notwendige endlich erledigt ist, stellen wir das Auto auf dem Parkplatz ab und gehen über die Straße. Wir umwandern den Geysir Strokkur und warten einige Eruptionen ab. Er spuckt etwa alle 5-8 Minuten eine Fontäne in die Höhe. Mal sind es nur zwei Meter, aber öfter sind die Fontänen auch an die zehn Meter hoch. Die Sonne sinkt langsam tiefer und es wird spürbar kühler. Wir sind immer noch in kurzen Hosen und T-Shirt (plus Jacke) gekleidet, da es heute tagsüber recht sonnig und verhältnismäßig warm war.
Zehn Kilometer weiter, am Gullfoss (dem goldenen Wasserfall), ist es dann noch kühler. Aber im goldenen Abendlicht ist der Wasserfall ein hübsches Fotomodell mit Regenbogen über der Gischt und macht seinem Namen alle Ehre. Auch hier sind zu dieser Stunde noch reichlich Besucher unterwegs, der Shop ist aber bereits geschlossen. Wir besuchen alle erreichbaren Aussichtspunkte, machen viele Fotos und gehen dann zurück zum Auto. Wir hatten unsere Regenjacken mit, da die vom Wind herum gewehte Gischt einen schnell mal nass machen kann. Das war aber unnötig.
Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht fahren wir die Straßen Nr. 35 und 37 wieder zurück bis zum Örtchen Laugarvatn am gleichnamigen See und kehren dort auf dem kleinen aber feinen Platz als viertes oder fünftes Fahrzeug ein. Der Besitzer ist grade noch da und empfängt uns freundlich und interessiert. Von wo wir kommen, will er wissen. Stuttgart? Da war er mal, wegen Fußball! – Ein Isländer (Ásgeir Sigurvinsson) hat zwischen 1982 und 1990 für den VfB Stuttgart gekickt – und 1984 mit ihm die Deutsche Meisterschaft gewonnen … da Fußball nicht mein Steckenpferd ist und ich keine Ahnung habe, kann ich da leider nicht mit ihm fachsimpeln 😉
Dennoch war es ein freundlicher Empfang und ein nettes Geplauder. Ich bezahle gleich unseren Obolus von 5.000 ISK (ca. 42 Euro) und mache mich sofort daran zu kochen. Heute verarbeiten wir die restlichen Falafel-Bällchen, Kartoffeln und Möhren. Vom Platz aus haben wir einen schönen Blick zur Hekla (einem der drei aktivsten Vulkane Islands) und zum Eyjafjallajökull, jeweils mit rosa Schneemützen. Es ist noch immer sehr klar. Wir lassen das Schreiben heute ausfallen und krabbeln müde in die Schlafsäcke.
Km-Stand: 233.153 (115 km gefahren)