09.10.2007 (Dienstag)

Der Tag beginnt mit einem österreichisch-kölsch begleiteten Frühstück. 🙂
Kristina aus Köln erklärt uns anderen, dass Zimt auf ihrem Kaffee (den sie aus einem eigens mitgebrachten Streuer auf den Kaffee streut) für innere Wärme sorgt. – Ich assoziiere mit Zimt eher Winter und Weihnachtszeit.

Wir gehen zu viert gemeinsam los und Frühnebel begleitet uns durch die morgendliche Ackerlandschaft. Die aufgehende Sonne lässt alles zusammen wie golden erscheinen.

Entlang des Canal de Castilla (eines kastilischen Transport- und Bewässerungskanals) verläuft der Weg meist eben und schnurgeradeaus, bis er vor Frómista auf eine Straße trifft. Mitten im schmucken und heraus geputzten Ort steht prominent die kleine Kirche San Martin in sehr reinem hochromanischem Stil, wie er (selbst in Italien) nur noch selten zu sehen ist.

Ich nutze den kurzen Aufenthalt im Ort als Gelegenheit zum Einkauf von ein wenig Tages-Proviant. Brot, Käse, Chórizo, etwas Obst.

Hinter Frómista führt der Weg wenige Meter parallel neben der Straße (P-980) über 18 Kilometer immer geradeaus, gesäumt von Betonsteinen mit der Jakobsmuschel darauf. Eingefasste Monotonie.

Población de Campos: noch 11 km entlang der P-980 – Wegweiser hat’s genug

Es geht jetzt durch die Hochebene der Tierra de Campos und es folgen Orte mit Namen wie Población de Campos, Revenga de Campos, Villarmentero de Campos. Genug Hinweise auf irgendwas mit Campos 😉

Die Sonne brennt wie gestern schon von links, der Wind kühlt von rechts. Zum Ausgleich sollte ich vielleicht auch mal rückwärts gehen (?)

Da der Weg stetig weiter nach Westen führt, wandert der Pilger den ganzen Tag mit der Sonne. Diese steht dabei im Süden, also links vom Pilger, während der kühlende Wind von rechts, also aus Norden kommt. So stellt man Abends schnell mal überrascht fest, dass man auf der linken Seite der Beine Sonnenbrand an Waden und Schenkeln hat. Ich wechsle deshalb am Nachmittag zur langen Hose, trotz des warmen Tages.

In Villalcázar de Sirga lege ich eine längere Pause ein und verzehre, was ich in Frómista gekauft habe. Es ist etwa 14 Uhr, sehr warm (etwa 26 Grad) und es gibt hier einen schattigen Platz in der Nähe der viel zu groß wirkenden Kirche „Santa Maria la Blanca“ . Der Ort war einst im Besitz der Tempelritter und ein wichtiges Zentrum der Marienverehrung.

Nach dieser ausgiebigen Pause mache ich mich bei strahlend blauem Himmel und fast sommerlich heißer, aber schöner Oktobersonne wieder auf den schnurgeraden Weg entlang der Straße. Gegen 17 Uhr erreiche ich Carrión de los Condes, wo ich nach längerer Wartezeit im schattigen Innenhof und in Gemeinschaft mit anderen wartenden Pilgern, Einlass in die Herberge im Kloster Santa Clara finde.

Die Herberge Santa Clara ist im historischen Gebäude eines Clarissinnen-Klosters aus dem 13. Jahrhundert untergebracht und wird auch noch von den Madres Clarisas betrieben. Um die Pilger kümmert sich aber eine Art Herbergsvater (oder Hausmeister?), der managt die Verteilung der Pilger auf die Schlafplätze zweisprachig (spanisch/englisch) im Kommandoton und verliert dabei fast die Hosen. 😉

Er setzt immer zwei Leute zum Warten hin, bis er kommt und sie abholt. Er war bestimmt mal Justiz-Beamter oder so etwas ähnliches. Am Ende ist die Herberge fast voll belegt, obwohl sie mit 7 Euro Übernachtungsgebühr eine der teureren bisher ist. Bisher (2007!) habe ich zwischen 3 und 5 Euro für die Übernachtung in einer kommunalen oder kirchlichen Herberge bezahlt.

Beim angegliederten Museum das gleiche Spiel. Paarweise Einlass, damit es nicht zu voll wird in den Räumen. Im Museum findet sich dann ein wirr anmutendes Sammelsurium von Bethlehem-Figuren aus allen Epochen, Materialien (Plastik!) und zahlreichen Ländern.

Nach einer Zwischenpause im Sitzen habe ich mir dann gemeinsam mit einem englischen Paar („Isn’t it amazing James?“) auch noch die Kirche „Santa Maria“ angesehen.

Den (heiligen) Geist von Santa Clara vermisse ich hier, an diesem spirituellen Ort, allerdings genauso, wie eine schön gestaltete Postkarte.

Später gehe ich mit Barbara (Kitzbühel), Marianne (Kaiserslautern) und Norbert (Regensburg) essen. Ich bestelle mir ein günstiges (und leckeres!) Pilgermenü aus Sopa Castellano, Omelette und zum Nachtisch Lemonmus. Die Pizza von Marianne und Norbert scheint hingegen leider nicht so gut zu sein, es fällt die Beschreibung „Pappe in Tiefkühl-Qualität“.

Gegen 21:15 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück in die Herberge. Wir sind alle sehr müde. Vor dem Haus spielt ein Musiker auf der Gitarre. Er heißt Andre, ist Italiener und er hat zu viel Wein. Er gibt mir den Rest seines Weines und ich helfe ihm bei dessen biologischem Abbau. 🙂

Zusammen sitzen wir da noch eine ganze Weile und reden, mal auf Englisch, mal auf Italienisch, über Mut und Schüchternheit, sowie über die Menschen und die Wirtschaft in Italien.

Wieder breitet sich über unseren Köpfen ein gigantischer klarer Sternenhimmel aus. Aber es ist doch sehr kühl jetzt am Abend, vermutlich wegen des seit zwei Tagen anhaltenden Nordwinds. Kurz nach 22 Uhr gehe ich schließlich zu Bett und strecke meine müden Beine und Füße von mir. Das linke Bein ist wärmer als das rechte. Der leichte Sonnenbrand heizt noch etwas nach.

Verlauf der heute gepilgerten Strecke – (raw Map by OpenStreetMap.org)

Heute gepilgerte Strecke: 26 km – (insgesamt 157 km gepilgert)

Tag 8 – Von Boadilla del Camino nach Carrión de los Condes

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