04.05.2022

Kurz nach 8 Uhr sind wir aufgestanden. Das Wetter ist unverändert leicht bewölkt und nieselig. Wir frühstücken daher drinnen im Gemeinschaftsraum. Heute mal das mitgebrachte Brot statt Müsli (ehe es hart wird).

Nach dem Frühstück gehen wir das kurze Stück zu Fuß zur Tourist Info von Vestmanna, wo auch das Saga-Museum mit Wachsfiguren angeschlossen ist, welches über die Geschichte der früheren Siedler, deren Lebensweise sowie einige Geschichten über Raub, Plünderung und Piratenüberfalle erzählt.

Danach verlassen wir den Campingplatz und suchen den Einstieg zu einer Wanderung aus dem Reiseführer, was uns zunächst einigen Suchverkehr kostet (Baustellen im Ort, schlechte Beschreibung), ehe wir wohl mehr oder weniger richtig sind und das Auto abstellen und wandern los, „dem Bachlauf folgend“ wie der Reiseführer vorschlägt.

Schon recht bald folgen wir dem erwähnten Bachlauf und der Pfad verliert sich zusehends in der Wiese. Erst recht nachdem wir einen Weidezaun passiert haben. Es ist zwar möglich dem Bachlauf weiter zu folgen, aber doch mehr auf Schafspfaden als auf solchen, die üblicherweise von und für Menschen angelegt sind.
Wir erreichen den in der Beschreibung erwähnten Sattel und sehen vor uns eine Hanglandschaft, welche sich in kleinen Stufen vor uns absenkt, ohne ein klar erkennbares Ende erkennen zu lassen. Irgendwo da vorne muss es aber steil runter gehen. Denn das Ziel sind Klippen, bzw eine Felszinne vor den Klippen, welche gern von Vogelbeobachtern von See aus angesteuert wird.
Wir wollten uns von der Landseite so nah als möglich dort hin begeben. Nachdem ich eine Weile eher links, dann etwas weiter rechts nach einer „Steilwand“ Ausschau hielt wie sie in der Beschreibung erwähnt wurde, Clara aber insistierte dass es bestimmt noch weiter rechts richtig sei, folge ich schließlich ihrer Anregung.
Wer Kinder hat weiß, dass diese oft in ungewöhnlichen Dingen oder Situationen auf irritierende Weise Recht haben können. Und Clara hat sowieso immer Recht. So auch dieses Mal.

Ein paar Schafshinterlassenschaften weiter rechts finden wir eine beachtliche Steilwand, vor der sich tatsächlich ein grünes kleines Tal erstreckt und von wo aus man auf einigen etwas vorspringenden Felsen einen Blick auf besagte Felszinne hat.

Halten wir also fest, dass Clara mich heute auch den rechten Weg zurück geführt hat. Selbstverständlich wäre ihr das kaum möglich gewesen, wenn nicht mein pfadfinderischer Orientierungssinn den Weg in ihre Erbanlagen gefunden hätte. 😉

Naja, also ich war heute mal der Pfadverlierer und nicht der Pfadfinder, die Ehre den richtigen Riecher gehabt zu haben überlasse ich gerne meiner Tochter Clara.

Nach einigen Fotos begeben wir uns auf den Rückweg, da es uns für eine Knabberpause zu windig ist. Es gibt auch wenig um sich vor dem Wind zu schützen, deshalb warten wir bis wir den Sattel wieder überwunden haben und setzen uns dann im Schatten einer Erdmulde niederlassen und etwas essen und trinken.

Wir fahren über die Küstenstraße (Panoramastraße) Nr. 21 wieder zurück und halten kurz bei dem Picknickplatz oberhalb von Kvikvik an um ein paar Fotos zu machen.

Panoramablick über // Panoramic view over Kvivik

Danach setzen wir die Fahrt über die 11 und später die 10 fort nach Kollafjordur am gleichnamigen Fjord. Weiter führt unser Weg an der Küste entlang über Hósvik nach Hvalvik, wo wir ein kleines schwarzes Kirchlein im Ort finden, leider wie meistens verschlossen (überwiegend Evangelisch).

Hier biegen wir nach links auf die wirklich schmale Straße Nr. 53 nach Saksun ab, die sich aus dem Ort hinaus ins Tal schlängelt und immer weiter in immer einsamere Gegend führt, bis sie schließlich am Ende des Tals endet, wo ein versandender Sund den Übergang zum Meer bildet.
Rechts und links steile Felswände in deren Hänge tatsächlich Wanderrouten auf die andere Seite führen. Da das Wetter keine tolle Panoramen verspricht sondern eher der Weg schon bald im Nebel enden würde, lassen wir es dabei das Kirchlein am Ende des Tales von allen Seiten zu betrachten und wieder zurück zur Küstenstraße zu fahren.

Kurz vor der Brücke über den Sundini (die Brücke auf die Nachbarinsel Eysturoy) bleiben wir linksseits und setzen unsere Fahrt auf der Straße Nr. 54 fort am eigentlich beeindruckenden, aber leider nur spärlich Wasser führenden Wasserfall Fossa vorbei nach Haldarsvik mit seiner auffälligen achteckigen Kirche in rot und weiß, und weiter nach Tjornuvik.

Der Ort ist bei Surfern sehr beliebt wegen seiner offen zum Atlantik hin gelegenen Bucht. Am Hafen gibt es in dem winzigen Ort auch einen sehr aktiven Surfshop. Außerdem hat man von der Hafenseite auf die Bucht hinaus einen tollen Blick auf die beiden Felsen „der Riese und das Trollweib“ (wozu es natürlich die zugehörige Saga gibt). Ansonsten bestechen eine Ansammlung typischer alter gemauerter Häuser mit Grasdach und teils mit schwarz geteerten Holzwänden. Beim Schlendern zwischen den Gassen werden wir auf ein Schild aufmerksam, das im „Litla Café“ Kaffee & Waffeln für 50 Kronen anbietet.
Eine Gruppe von vier Damen kommt gerade aus der Richtung und preist die Waffeln, die man auch schon riechen kann. Wir leisten keinerlei Widerstand und überreden uns sofort, dort anzuklopfen. Ein älterer Herr öffnet, ich frage ihn nach Waffeln und er bittet uns sofort herein. Wir stehen praktisch in seinem gemütlichen Wohnzimmer mit Lederpolstergarnitur sowie einem Tisch am Fenster mit 4 Stühlen.
Er bringt für mich Kaffee, für Clara macht er Tee und kurz darauf haben wir duftende Waffeln nebst Schlagsahne und Rhabarber-Marmelade vor uns stehen. Ein echter Genuss, ein unerwarteter allemal. Wir bedanken uns sehr und geben ihm gerne die 100 Kronen.

Wir machen uns nun frisch gestärkt auf den Weg zurück auf der Straße auf der wir gekommen sind, denn einen anderen Weg gibt es nicht. Tjornuvik ist einer der nördlichsten Orte der Färöer, aber nicht der nördlichste.

Zurück an der Stelle, an der man wieder auf die Hauptstraße Nr. 10 trifft, biegen wir nach links auf die Brücke über den Sund und damit nach Noróskali auf der Insel Eysturoy ab. Der Hauptstraße folgen wir aber nicht allzu lange, sondern wechseln wieder auf die Küstenstraße, diesmal die Nr. 23 auf der anderen Seite des Sund gelegen. Auf ihr fahren wir nordwärts bis nach Eidi, wo wir uns auf dem Campingplatz, einem ehemaligen Sportplatz, einfinden.
Vor uns kommt noch ein Wohnmobil an, ein Schweizer der wohl auch mit uns auf der Fähre war. Die anderen Deutschen mit einem der VW Busse sind ebenfalls dort, und auch die Franzosen, die wir in Vestmanna am Camping kennen gelernt und auch auf der Route öfter mal gesehen haben, sind hier. Zunächst ist nicht klar, ob wir einfach da bleiben und den Platz befahren dürfen, denn es ist niemand da. Ich rufe die Nummer auf den Hinweisschildern an. Die Stimme am anderen Ende sagt, wir sollen einfach die Schranke anheben, sie sei nicht verschlossen.
Es gibt alles was das Herz begehrt. Gemeinschaftsraum, Küche, Duschen und WC und auch warmes Wasser. Ich bin erst etwas irritiert, da der Schweizer kein Deutsch spricht, nur französisch. Weder ich noch Clara sprechen französisch, von ein paar Brocken abgesehen. Es wird aber ein recht lustiger Abend, als wir bemerken, dass wir uns auf italienisch verständigen können. Der Schweizer und ich sprechen beide ein wenig italienisch, so kommen wir etwas holprig ins Gespräch. Wir werden uns noch ein paar mal treffen, wie ich schon mal vorweg nehmen darf.

Clara und ich kochen unser Abendessen im Gemeinschaftsraum im Obergeschoss (heute mal Bratkartoffeln, Karotten-Paprika-Gemüse und den Rest vom Schafskäse), kommunizieren über freies WLAN/WiFi mit der Welt und versuchen noch einmal, die Tunnelpassage online mit der Kreditkarte zu bezahlen. Wieder schlägt es fehl, ohne Hinweis auf den Grund. Ich schreibe eine Email an den Betreiber. Und ich schreibe Reisetagebuch.
Relativ spät gehen wir schlafen. In der Nacht regnet es weiter immer wieder und es ist auch sehr windig.

Km-Stand: 203.761 (109 km gefahren)

Tag 5 – Pfadfinder & Pfadverlierer // Day 5 – Pathfinder & Pathlooser

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