21.07.2019 (Sonntag)
Noch immer unter dem starken Eindruck des Starlight Express Musicals stehend, verlassen wir also irgendwann nach Mitternacht das Parkhaus neben dem Starlight Express Theater in Bochum und machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Stop: nach Travemünde an der Ostsee.
Die Fahrt durch die Nacht ist trotz der späten Stunde von Staus geprägt, die durch Baustellen auf der A2 bedingt sind. Und das ist immerhin bis Hannover der Fall. Danach in Richtung Lübeck läuft’s dann besser.
Wir erreichen im Morgengrauen einen Parkplatz am nördlichen Rand einer Siedlung nahe der Ostsee-Küste in Travemünde, das zu Lübeck gehört. Zuvor steuern wir aber in einem anderen Vorort von Lübeck gegen 4:30 Uhr noch rasch eine Tankstelle an und tanken nochmal voll, da Benzin hier in Deutschland (damals) billiger ist, als in Schweden.
Nach der langen Nachtfahrt verspüren wir ein gewisses Verlangen nach Frischluft und Bewegung. Wir machen daher einen Spaziergang durch die schlafende Siedlung an deren Rand wir gelandet sind und steuern die Uferpromenade an. Dort setzen wir uns auf eine Bank um dem Sonnenaufgang zuzusehen, während wir ein kleines Snack-Frühstück zu uns nehmen.
Unsere Fähre der TT-Line nach Trelleborg (Schweden) wird erst um 9:30 Uhr ablegen, jetzt ist es etwa 5:45 Uhr. Wir haben also noch reichlich Zeit.
Da ich inzwischen den dringenden Wunsch nach Kaffee verspüre, in dieser Siedlung aber erstens nichts zu sein scheint, das wie eine Bäckerei oder Café aussieht und auch sonst alles einfach zu ist (es ist Sonntagmorgen!), gehen wir zum Auto zurück und setzen unseren Campingkocher in Gang. Dazu gibt’s je eine Schüssel Müsli.
Es ist etwa 7:30 Uhr und so langsam Zeit, sich zum Check-in zu begeben, als wir fertig sind. Am Anleger ist bereits unsere Fähre, die Nils Holgersson der TT-Line zu sehen und die ersten Fahrzeuge stehen bereits Schlange.
Alles geht skandinavisch gesittet, ruhig und zuverlässig vonstatten. Schon bald sind wir samt Auto an Bord und können vom Oberdeck aus dem Ablege-Manöver zusehen. Während des Auslaufens passieren wir diverse Segelschiffe, die an der Kaimauer liegen. Als passionierte Seglerin hat Clara natürlich ihre Freude daran. 😉
Nachdem das Schiff den Hafen verlassen hat, halten wir uns hauptsächlich an Deck oder zwischendurch mal im Bord-Restaurant auf. Während der Fahrt über die Ostsee ist ruhiges Wetter angesagt. Es ist „bedeckt mit sonnigen Abschnitten“, so würde es wohl der Wetterbericht nennen. Da es eine Tag-Überfahrt ist, haben wir eine reine Deckpassage gebucht, also ohne Kabine.
Die Ankunft in Trelleborg erfolgt wie geplant am Abend gegen 17:45 Uhr.
Nachdem wir von Bord gerollt sind, verlassen wir den Hafen und biegen direkt auf die Riksväg 9 (Reichsstraße; entspricht etwa unseren Bundesstraßen) nach Osten ein. Auf ihr fahren wir an der Küste entlang und können dabei den ein oder anderen Blick aufs Wasser und auch den ersten Leuchtturm werfen.
Eigentlich wollen wir gleich einen der ersten Campingplätze ansteuern, aber die Suche nach einem Platz der uns aufnimmt gestaltet sich unerwartet schwierig, da die meisten Plätze bereits voll belegt sind. Zu erkennen ist das an einem entsprechenden Schild gleich vorne an der Straße.
Wir fahren an Smygehamn vorbei und steuern nach etwa 20 km den Platz Granhyddans Camping bei Beddingestrand an. Da an der Rezeption niemand zu finden und keine Schranke vorhanden ist, beschließe ich nach einer kurzen Wartezeit in einem anarchischen Akt der Selbstermächtigung einfach rein zu fahren und uns einen freien Platz zu suchen.
Wir machen uns daran, unser neues und recht geräumiges Zelt aufzubauen, das wir extra mitgenommen haben, um für uns beide getrennte Schlafräume und mehr Platz als im Auto zu haben. Der erstmalige Aufbau dauert allerdings gefühlt ewig und lässt mich daran zweifeln, ob ich das noch öfter machen will.
Als das Zelt endlich aufgebaut ist kommt eine Frau und fragt, wer uns erlaubt hätte uns hier breit zu machen. Sie ist offenbar die Chefin hier, also die zuvor nicht anwesende Rezeption. Ich erkläre ihr, dass bei unserem Eintreffen niemand da war um zu fragen, da reagiert sie etwas unwirsch und redet etwas von „… hätte reserviert sein können …“ usw.
Beim folgenden Gespräch in der Rezeption, wohin ich ihr folge und bei dem ich mich entschuldige und uns dann auch regulär anmelde, glätten sich die Wogen allmählich. Die Tatsache, dass wir nur eine Nacht bleiben werden besänftigt sie dann doch etwas. Mit 245 SEK (schwedische Kronen; damals etwa 26 Euro) ist das ein recht günstiger Platz.
OK, haben wir also wieder etwas gelernt. Hier in Schweden läuft das streng geregelt. Also wie in Deutschland. 😉
Da mir der Zeltauf- und -abbau zu viel Aufwand ist um ihn jeden Tag durchzuführen, benutzen wir das Zelt nur dieses eine Mal. Künftig schlafen wir (meist) wieder im Auto, so wie wir das bei unserem Urlaub in England & Irland 2015 schon gemacht haben.
So viel Arbeit macht natürlich hungrig. Statt zu kochen genehmigen wir uns zum Abendessen eine Pizza/Pasta-Ration beim hiesigen Italiener direkt am Platz.

Km-Stand: 161.785 – (505 km gefahren)
