25.05.2022

Um 7:30 Uhr bin ich aufgewacht vom Regen auf dem Autodach. Wieso regnet es eigentlich immer, wenn die Dachbox wieder vom Dach geholt werden soll? – Da heute unser letzter Tag auf Island ist und wir am Abend wieder auf die Fähre müssen, muss auch die Dachbox wieder herunter und ins Fahrzeuginnere gepackt werden. Wegen der Höhe. Sonst wäre die Überfahrt für das Fahrzeug teurer gewesen.

Um 8 Uhr stehen wir also auf, das Frühstück findet im Innenraum statt, nachdem ich den Kaffee draußen im Windschatten des Autos gekocht habe – bei leichtem Regen. Nochmal eine Runde Geschirr spülen mit eiskaltem Gletscherwasser und Spülmittel. Toilettengang zwischen den tropfenden Bäumen.

Die Rasenpfleger kommen und streuen aus Eimern irgendeine Mischung auf einige Stellen in der Wiese, aber die Toiletten bleiben weiter verschlossen. Schade eigentlich.

Wir schmieren uns Brote fürs Abendbrot auf dem Schiff, da ich für den ersten Abend kein Essen gebucht habe. Auch hier: Reste-Verwertung. In einer Regenpause machen wir uns ans Umpacken für die Zeit auf dem Schiff: Kleidung, Essen, Wasser, Waschzeug etc. in separate Taschen/Rucksäcke. Dachbox und Dachträger von Auto montieren und wieder feucht (aber nicht so nass wie letztes Mal) ins Innere verfrachten, das übrige Gepäck drumherum verstauen. Es regnet bereits wieder, als wir den Campingplatz von Fáskrudsfjördur verlassen und uns zur letzten Etappe aufmachen.

Wir wählen die Route entlang des Fáskrudsfjördur hinüber zum Reydarfjördur (welches auch die Namen der Orte dort sind) auf der alten Straße Nr. 955 die teils wieder aus Schotterabschnitten besteht. Der Tank ist schon wieder kurz vor leer, aber die 52 km sind noch locker drin. Leider regnet es die ganze Zeit leicht und die Wolken hängen sehr tief, so dass von grandioser Aussicht keine Rede sein kann. Bei schönem Wetter ist das aber sicher ein lohnender Abschnitt. In Reydarfjördur tanken wir wieder bei OB/Olis, wobei wir auch hier wieder feststellen, dass OB billiger ist als Olis – obwohl die Zapfsäulen beider Marken auf dem selben Tankstellenbetrieb stehen. Seltsam. Überhaupt Tankstellen: Es gibt die bei uns bekannten Marken hier nicht: Kein Shell, Aral, BP und dergleichen … alles N1, Orkan, OB/Olis, oder AQ.

Der Fabrik-Koloss einer Aluminiumschmelze zieht sich ein gutes Stück am Fjord entlang. Ein Industrie-Fremdkörper und lange umstrittener Betrieb in dieser Natur, aber 1000 Arbeitsplätze hat er gebracht. Nicht nur die Fabrik war umstritten, auch die Stromtrassen quer durchs Land um billigen Strom für die Energie-intensive Aluminiumherstellung bereit zu stellen. Ich kann dazu den isländischen Film „Gegen den Strom“ (2018) von Benedikt Erlingsson empfehlen.

Wir fahren auf der Straße Nr. 92 noch nach Eskifjördur, schenken uns aber den letzten Abstecher nach Neskaupstadur, weil es aufgrund des Wetters ohnehin nichts zu sehen gibt. Wir kehren zurück zur Ringstraße Nr. 1 und folgen dieser nun in Richtung Egilsstadir durch das sehr beeindruckende Fagridalur Hochtal, wo uns rechts und links 800 m hohe Berge begleiten, dazwischen ein weites sanftes Tal.

Durch das Fagridalur Hochtal

In Egilsstadir angekommen setzen wir uns in das Tehúsid beim Campingplatz. Ein sehr gemütliches Teehaus/Cafe/Bistro, wir essen dort zwei vegane Gerichte und nutzen das WLAN/Wifi. Ich mache einen Artikel fertig, während wir uns auch noch mit Cappuccino, Kakao und Kuchen verwöhnen. Gegen 16:30 Uhr starten wir zur Fahrt ins 25 km entfernte Seydisfjördur, wo die Fähre auf uns wartet. Ein letzter Blick zurück, ehe wir wegen des Nebels auf dem Pass eine Weile nichts mehr sehen.

Die Fahrt über den Pass gestaltet sich ähnlich wie bei der Ankunft, nur etwa 2 Grad wärmer: Es ist neblig, es regnet. Über eine lange Strecke führt die Fahrt mit 50 km/h durch Wolkenwatte hinter voraus fahrenden Rücklichtern her, die immer mal wieder kurz im Nebel verschwinden, bis die Straße endlich wieder nach unten führt und die Sicht wieder besser wird. Da darf man es nicht eilig haben.

Das Prozedere beim Einchecken geht erst wieder recht langsam voran, aber dann geht’s plötzlich schnell und um 18 Uhr sind wir schon an Bord. Wir duschen erst einmal beide, ehe wir dann noch beim Ablegen zuschauen (19:17 Uhr).

Kurz bevor die MS Norröna abgelegt hat, legte jedoch dieses andere Schiff ab, das mir zuvor schon aufgefallen war, weil es relativ ruhig im Wasser lag, aber nicht an einem Kai angelegt hatte:

Es handelt sich um das deutsche „Mein Schiff 3“ vom Reiseveranstalter TUI, das vor uns ablegte und dann buchstäblich im Nebel verschwand. Eine Weile noch klangen Bord-Durchsagen und Musik zu uns herüber, ehe sie vom Nebel verschluckt wurden. – Hatte was von „Titanic“ … aber hey, kein Omen!

Anschließend nehmen wir in unserer Kabine unser mitgebrachtes Abendbrot ein, mit Blick aus dem Kabinenfenster auf die vorbeiziehenden Fjordbergwände, die alle im Nebel verschwinden. Zwischendurch nehmen wir kurz an der 5-minütigen Sicherheitsunterweisung teil (die gab es bei der Hinfahrt nicht). Das Interesse daran war mäßig, auf unserem Deck nahmen gerade mal drei Leute teil. Wir führen unser Abendessen zu Ende und naschen noch je einen Schokokeks zum Nachtisch, dann schreiben wir noch unsere Reisenotizen auf und schon ist es 22:45 Uhr (Bordzeit=Färingische Zeit, jetzt wieder +1 Std.). Es ist also langsam Schlafenszeit auch wenn es draußen noch immer taghell ist …

Wir zwei in unserer Kabine beim Abendessen
Blau eingezeichnet die zurück gelegte Strecke- (raw Map by OpenStreetMap.org)

Km-Stand: 207.662 (151 km gefahren) – Auf Island gefahren: 3.557 km in 16 Tagen

Tag 26 – Letzter Tag auf Island, tschüss!

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