23.05.2022

Irgendjemand hat über Nacht eine graue Decke über den Himmel gezogen, die diesen nun komplett gleichmäßig bedeckt. Obwohl wir bereits gegen 8:30 Uhr aufgestanden sind, kommen wir erst gegen 10:30 Uhr los.

Wir fahren auf der Ringstraße Nr. 1 Richtung Kirkjubaerklaustur. Auf halber Strecke dorthin machen wir einmal Stopp an der Straße, um die ungewöhnlichen, mit Moosen bewachsenen Lavabrocken dieses Gebiets (Eldhraun) zu besichtigen. Die Farbe dieser Moos-Schicht liefert einen Hinweis auf die Feuchtigkeit. Die aktuell eher ins Graue gehende Farbe weist auf Trockenheit hin. Kommt mehr Regen wird das Moos deutlich grüner, erst hell, dann satt und dunkler.

Nach diesem Stopp leuchtet am Armaturenbrett plötzlich die ABS Kontrollleuchte. Sie geht auch nach einer Weile nicht aus, auch nicht nach Druck auf das Bremspedal. Die Bremswirkung ist aber voll vorhanden. Ich schlage im Handbuch nach und dort ist das für diesen Fall auch so beschrieben. Kein Grund zur Panik also. In Kirkjubaerjarklaustur tanken wir bei OB/Olis nochmal voll und fahren danach zum Infozentrum.

Dort stellen wir fest: Unter Clara’s Sitz brummt etwas. Kann das die Benzinpumpe sein? Was sitzt da sonst noch? Saugt das die Batterie leer? Es brummt auch bei komplett abgeschalteter Zündung weiter. Auch nach einer Stunde noch. Das muss alsbald untersucht werden, hoffentlich ist es nichts Ernstes!

Nach dem Besuch im Eldhraun Infozentrum und der nächsten kurzen Fahrt und einem ebenso kurzen Spaziergang zum Wasserfall Systrafoss (im Ort), will ich aber doch mal den Sitz hoch klappen um an den Motorraum zu gelangen (das Auto hat einen Mittelmotor) und dem Brummen auf den Grund zu gehen.

Es ist das ABS Steuergerät das brummt und es ist warm. Ich rücke dem offenbar mechanischen Problem mit ein, zwei gezielten Schlägen mit einem Holzscheit (=Hammer-Ersatz) zu Leibe, welches seit unserer ersten Nacht auf den Färöer Inseln als Schneidbrett in der Küche dient. Nach zwei Schlägen auf das Gerät ist Ruhe. Brummen weg, Lampe aus, ABS repariert.

Die Fahrt kann also unbeschwert auf der Ringstraße Nr. 1 weiter gehen, zum Skeidararjökull, einer Gletscherzunge des Vatnajökull-Gletschers des gleichnamigen Nationalparks. Es handelt sich um den größten Gletscher Islands, unter dem auch eine vulkanisch aktive Zone liegt. Im Jahr 1996 gab es dort einen sogenannten Gletscherlauf. Aufgrund eines Ausbruchs unter dem Eis schmolzen große Mengen Eis und das Wasser floss mit Geröll und Schlamm dem Meer zu. Alles was sich ihm in den Weg stellte, wurde fortgerissen, auch mehr als 10 km der Ringstraße. Um zu veranschaulichen welche Kräfte da wirkten, wurden einige verbogene Stahlträger einer alten Brückenkonstruktion stehen gelassen.

Weiter geht es auf der Ringstraße Nr. 1 bis zum Skaftafell, wo es das Vatnajökull Infozentrum, einen Campingplatz und diverse Tour-Angebote gibt. Wir wollen zwei kleine Touren selbst machen:

1. zur Gletscherzunge Skaftafellsjökull (ca. 1 Std) und
2. zum Svartifoss Wasserfall (ca. 1,5 Std).

Zwar macht sich wie schon geschrieben eine gewisse Sättigung an Wasserfällen bei uns bemerkbar, aber dieser muss sein. Der auch als „Schwarzer Wasserfall“ bekannte Svartifoss ist umgeben von einem Basaltsäulengebilde von sehr besonderer Gestalt. War der Weg zur Gletscherzunge ein Spaziergang auf ebenem Grund, folgen wir jetzt einem steilen aber breiten Aufstieg, der offenbar für Besuchermassen angelegt wurde. Zwischen beiden Touren die in entgegen gesetzten Richtungen liegen, schoben wir eine kleine, halbstündige Vesperpause im Auto ein (Parken kostete wiederum 750 Kronen). Um 17:15 Uhr waren wir zurück beim Auto und benötigten damit etwas weniger Zeit als veranschlagt.

Bis Höfn kommt nun kein Campingplatz mehr. Wir fragen uns daher, ob wir für heute schon Schluss machen sollen und den Campingplatz Skaftafell mit seiner guten Ausstattung nutzen sollen. Der ist aber schon jetzt sehr gut besucht. Wir wünschen uns einen ruhigeren Ort und fahren daher weiter bis zum Kvarajökull (weitere Gletscherzunge) und besichtigen dort die Gletscherzunge etwas näher. Doch zuerst stoßen wir auf ein Relikt eines gestrandeten Schiffes, der „Clyne Castle“, die hier am 17. April 1919 strandete und trotz mehrerer Versuche nicht wieder flott zu machen war. 1923 wurde sie aufgegeben.

Als wir die treibenden Eisbrocken bestaunten und fotografierten, hörten wir plötzlich einen Knall, gefolgt von einem polternden Geräusch. Wir konnten es erst nicht zuordnen, aber als es wenige Minuten später ein zweites Mal zu vernehmen war, konnte ich sehen was es ausgelöst hatte:
Am Eis- und Schneebedeckten Berghang, an dem der Fels heraus schaute, hatte sich eine kleine Lawine gelöst. Es ist mir noch gelungen, den Schnee im Fallen zu erwischen … (rechts im felsigen Teil)

Eine kleine Lawine hat sich gelöst

Ein Stück weiter, bei der Jökulsarlón Lagune (Schmelzwassersee mit Eisformationen darin, der sich zum Meer hin öffnet) bietet sich uns ein staunenswerte Ansicht: Bizarre, bläulich schimmernde Eisklötze, die ganz allmählich abschmelzen und dabei auf den Ausgang zum Meer zu treiben, dort einen Eis-Stau bilden, unter einer Brücke der Ringstraße Nr. 1 hindurch zum Meer treiben und dort rechts und links im schwarzen Sand liegen oder an der Küste den Wellen des Nordatlantiks begegnen.

Man kann (natürlich gegen Geld) mit Schlauchbooten den Eisklötzen näher kommen und sich ein wenig auf der Gletscherlagune herum fahren lassen. Muss man aber nicht.

Der nächste im Reiseführer erwähnte Campingplatz bei der Brunnholt Farm ist geschlossen, also doch weiter nach Höfn. Im Bjarnarnes-Gebiet, noch vor Höfn, dann plötzlich ein einfaches Schild, ein sehr einfacher Platz, zwei weitere Autos. Toilette/Dusche und warmes Wasser. Alles frisch angelegt und offenbar wird noch Weiteres gebaut. Wir bleiben (Kostenpunkt 1800 Kronen pro Person).

Blau eingezeichnet die zurück gelegte Strecke – (raw Map by OpenStreetMap.org)
Blau eingezeichnet die zurück gelegte Strecke – (raw Map by OpenStreetMap.org)

Km-Stand: 207.272 (269 km gefahren)

Tag 24 – Formationen aller Art

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