23.10.2007 (Dienstag)

Schlafsackgeraschel und Weckergepiepse am Morgen – das wird mir sicher fehlen, wenn ich wieder zuhause bin 😉

Ich quäle mich erst etwas später raus und lasse den anderen den Vortritt. Mein Frühstück nehme ich in einer Bar ein, die 50 m von der Herberge entfernt liegt. Es ist ein gutes Frühstück für insgesamt nur 3,70 Euro, inklusive frischem Orangensaft (!)

In der Bar läuft der Fernseher und die Nachrichtensendung zeigt Bilder von verheerenden Waldbränden in Kalifornien (USA), die bereits seit mehreren Tagen wüten. Der aus Österreich stammende Bodybuilder und Schauspieler Arnold Schwarzenegger, zu der Zeit Gouverneur von Kalifornien, zeigt sich sehr betroffen.

Der Wetterbericht für die Region Galicien im Nordwesten Spaniens, in der ich grade unterwegs bin, sagt zwar Regen voraus, aber es bleibt den ganzen Tag über trocken.

Von den beiden Schweizern ist noch nichts zu sehen. Ich gehe also schon mal alleine los. Während meines Frühstücks hat es kurzzeitig leicht geregnet, aber gleich wieder aufgehört. Der Himmel ist jetzt bedeckt und daher ist es jetzt eher kühl, aber nicht kalt. – Also geradezu ideales Wanderwetter.

Nach einiger Zeit holen die beiden Schweizer mich ein und wir gehen zusammen weiter. Das kostet mich mitunter etwas Mühe, da die beiden eben doch jünger sind und sowohl längere, als auch schnellere Beine haben. Nach etwa 12 km trinken wir unseren ersten gemeinsamen Kaffee (Café con leche) des Tages, dabei führen wir wieder sehr gute Gespräche.

Die Landschaft riecht jetzt nach dem Regen besonders stark nach Eukalyptus. Das liegt an den Eukalypten-Bäumen die hier in der Gegend sehr verbreitet sind und sogar kleine Wälder bilden. Allerdings sehr feuergefährliche Wälder, denn das Öl der Bäume duftet nicht nur, es brennt geradezu explosionsartig, wenn es in Brand gerät (starke Waldbrandgefahr).

Und Hórreos, jene Speicherbauten auf Stelzen für die landwirtschaftliche Ernte, die begegnen uns ebenfalls zahlreich.

Aber es wachsen auch Feigen, Palmen und Kakteen auf den Grundstücken entlang des Weges. Auf dem weiteren Weg passieren wir zahlreiche kleine alte Dörfer, die teils wie im Verfall begriffen wirken, doch dazwischen finden sich immer wieder schöne neue Häuser. Vermutlich gehören sie betuchteren Städtern, die aus der nächsten Stadt (Arzúa oder Melide) raus aufs Land ziehen.

Nach etwa 20 km machen wir Rast direkt am Wegesrand, weil kein geeigneter Rastplatz in Sicht ist, wir aber eine Pause brauchen. Brian und Francine überholen uns, sie haben in Arzúa eingekauft. Brian ruft uns lachend zu We’re waiting for you!“ – Später ziehen wir wieder an ihnen vorbei, als sie gerade Rast machen und ihrerseits schmausend und Wein trinkend am Wegrand sitzen. – Die machen es richtig, denke ich. 😉

So wie auch der ältere Franzose, dem ich immer wieder begegne und der immer Wein trinkt, wenn er pausiert. – Und dabei macht er stets einen top fitten Eindruck! 🙂

1. Abschnitt: Von Melide nach Arzúa

Das wird heute eine sehr lange Etappe, da hinter Arzúa auf 17 km keine Herberge mehr kommt. Die nächste ist erst in Santa Irene, soll aber nicht so schön sein. Also noch einmal drei Kilometer drauf gesattelt. Der Weg verläuft aber sehr schön hier, besser als erwartet. Durch die Gespräche vergeht die Zeit sehr schnell. – Am Abend wird es mit 35 km meine längste Etappe sein!

Als wir 30 km geschafft haben, machen wir in O Piño nochmal Pause in einer Bar und führen uns Koffein in Form von Café con leche zu. Dort in der Bar sehen wir einen Haufen Rucksäcke liegen und wundern uns. Auf Nachfrage wird uns erklärt, dass sie einer deutsch-spanischen Pilger-Gruppe gehören und ein Shuttle-Service sie hier abgeladen hat. Toller Service, denken wir noch.

Wir treffen besagte Gruppe später in Santa Irene, wo sie auf die Ankunft ihrer Rucksäcke warten, die der Shuttle-Service zu ihnen bringen soll, wie sie uns mitteilen. Als wir ihnen unsere Beobachtung in der Bar in O Piño erzählen, stöhnen sie auf, denn nun müssen sie gut 20 Minuten des Weges nochmal zurück gehen, um an ihr Gepäck zu kommen. – Später treffen wir sie wieder in der Herberge von Arca (in O Pedrouzo-Arca), mit ihren zurück erbeuteten Rucksäcken. 🙂

In Santa Irene gibt es keine Bars oder Restaurants. Vermutlich ist die Herberge in Arca auch aus diesem Grund sehr voll. Anscheinend wollte niemand in Santa Irene bleiben. Mit rund 120 Plätzen ist das hier in Arca eine der größeren Herbergen. Eine belgische Schulklasse, die alleine mit gefühlt 50 SchülerInnen hier Quartier bezogen haben, sorgt für ordentlichen Schallpegel. Die werden mir noch öfter begegnen auf diesen letzten Kilometern bis Santiago de Compostela.

2. Abschnitt: Von Arzúa nach O Pedrouzo (Arca)

O Pedrouzo, beziehungsweise einer der Teilorte wie Arca oder O Piño, ist für die meisten Pilger die letzte Station vor dem Erreichen von Santiago de Compostela. Entsprechend verdichten sich hier die diversen Pilgerströme (die „Kurz-Pilger“ oder „Ausflugs-Pilger“ sowie die „Langstrecken-Pilger“) und die Herbergen sind keine Orte der Ruhe und Regeneration mehr, sondern eher unruhige Massenquartiere.

[1] Kirche Santa Maria de Gonzar von O Pedrouzo

Bildquelle: [1] von der Webseite der Agentur Viajes Camino de SantiagoLink zum Bild bzw. Beitrag

Am Abend gönne ich mir im Restaurant mal wieder ein Pilgermenü. Der Kellner spricht so schnell, dass wir nur das zu bestellen wagen, was wir verstanden zu haben glauben. – Überraschung! 🙂

Es wird irgendwas mit Pollo (Huhn) und Nudelsalat, sowie Thunfisch und Kartoffeln serviert. Ein Krug mit Vino ist wieder inbegriffen. – Das gefällt mir hier sehr gut! 🙂

Später läuft im Fernsehgerät des Restaurants das UEFA-Cup Champions League Fußballspiel zwischen dem VfB Stuttgart und Olympique Lyon, das mit 0:2 endet. Brian und Francine schauen gebannt zu, vor allem Francine! 🙂

Wir (die beiden Schweizer und ich) setzen uns dazu und während der Halbzeit unterhalte ich mich mit Francine ein wenig über ihr Interesse am Fußball, das mir ja so gänzlich abgeht! – Selbst wenn der VfB Stuttgart, der Verein meiner Heimatstadt, spielt.

Zwischendrin meldet sich Olaf mal, als ich grade das Handy eingeschaltet habe. – Er hat Julia wiedergefunden … aber welche der vielen ? 🙂 —> (Spoiler: die Fotografin)

Verlauf der heute gepilgerten Strecke – (raw Maps by OpenStreetMap.org)

Heute gepilgerte Strecke: 35 km – (insgesamt 500 km gepilgert)

Tag 22 – Von Melide nach O Pedrouzo (Arca)

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